Freitag, 3. Juli 2026
Der heutige Tag auf Terschelling beginnt – wie könnte es anders sein – mit einer Mischung aus Tatendrang, Wind und dem leisen Verdacht, dass die Insel uns heimlich in ein Fitnessprogramm eingeschrieben hat.
Kurz nach 8.00 Uhr schwingen wir uns auf unsere Fietsen, radeln beschwingt am Hafen vorbei und tun so, als wären wir absolut bereit für alles, was der Tag bringt. Der erste Aussichtspunkt begrüsst uns mit ein paar Skulpturen, die aussehen, als hätten sie sich extra früh aufgestellt, um uns zu beeindrucken. Der Blick zurück nach Terschelling ist herrlich – zumindest in den Momenten, in denen der Wind uns nicht gerade versucht, vom Fahrrad zu pusten.
Der Wind ist auch heute wieder unser treuer Begleiter. Er sorgt für ordentlich Bewegung am Himmel: Die Sonne kämpft, die Wolken treiben, und der Wind selbst scheint sich köstlich zu amüsieren. Ein meteorologisches Theaterstück, live über unseren Köpfen. Wir radeln weiter auf dem Deich, links die Schafe, die uns mit diesem „Ich war zuerst hier“-Blick mustern, rechts die Vögel, die geschäftig fliegen, stolzieren oder einfach nur dastehen und in die weite Welt schauen – vermutlich mit mehr Gelassenheit als wir.

Ein paar Kilometer weiter steht das nächste Kunstwerk: „De Streken“. Eine lange, schmale Holzbrücke, die im Rhythmus der Gezeiten eine Art Holzblume öffnet und schliesst. Sehr poetisch, sehr nordseehaft, sehr „Bitte nicht bei Sturm betreten“.

Kurz darauf biegen wir ins Landesinnere ab und erreichen die „Boschplaat“ – 4.400 Hektar unberührte Natur, Weite, Dünen, Artenvielfalt. Wir radeln durch die Dünen und stehen schon bald an der Nordsee – und damit auch beim legendären Heartbreak Hotel. Ein Restaurant, das aussieht wie ein amerikanischer Diner, komplett mit Elvis‑Schallplatten, Elvis‑Figuren und Elvis‑Atmosphäre. Wir genehmigen uns einen Hotdog und ein Sandwich, während Elvis uns das eine oder andere Liedchen trällert.

Doch weiter geht’s. Durch die Dünen radeln wir zur nächsten Attraktion: eine Mühle, die zu einem Restaurant umgebaut wurde. Hier gibt es selbstgemachten Cranberry‑Kuchen – und zwar so gut, dass man kurz überlegt, ob man nicht hier bleiben sollte. Uns war vor der Reise nicht bewusst, dass Terschelling ein Cranberry‑Paradies ist. Felderweise Früchte, verarbeitet zu Kuchen, Tartes, Säften, Wein und Likören. Die Insel ist praktisch ein Beeren‑Multitalent.

Nach dieser Pause hat die Sonne endgültig den Kampf verloren. Der Himmel ist wolkenverhangen, es wird kälter, und wir radeln zurück nach West‑Terschelling. Kaum haben wir die Velos abgegeben, scheint die Sonne wieder – vermutlich aus Prinzip.
Am Abend essen wir sehr fein in der Brasserie Brandaris und schauen später gemeinsam mit anderen Hotelgästen das WM‑Spiel Australien vs. Algerien. Ein würdiger Abschluss eines Tages voller Wind, Kunst, Cranberries und Elvis.

Morgen geht es zurück aufs Festland – der Wind wird uns sicher schon erwarten.


