Samstag, 4. Juli 2026
Als wir heute Morgen aus dem Fenster schauen, werden wir von strahlendem Sonnenschein und nahezu Windstille begrüsst. Natürlich. Pünktlich an unserem Abreisetag zeigt sich Terschelling von seiner allerbesten Seite. Man könnte fast meinen, die Insel wolle uns zum Abschied noch einmal zeigen, was sie eigentlich die ganze Zeit gekonnt hätte.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Fährterminal. Um 9.25 Uhr bringt uns die Schnellfähre zurück aufs Festland. Die Überfahrt dauert gerade einmal 45 Minuten und ist ungefähr so spektakulär wie eine Busfahrt durch eine Tiefgarage. Auf die Reling dürfen wir gar nicht erst, dafür ist das Boot viel zu schnell unterwegs. Also sitzen wir brav im Inneren und beobachten, wie die Nordsee an uns vorbeizieht, ohne grossen Unterhaltungswert zu liefern.
Pünktlich erreichen wir Harlingen, und keine zehn Minuten später sitzen wir bereits wieder im Auto – bereit für das niederländische Festlandabenteuer. Nun ja, zumindest theoretisch.
Praktisch erwartet uns bereits in Harlingen die erste Strassensperrung wegen eines Festes. Kein Problem, denken wir. Das Navi findet rasch eine alternative Route. Diese führt uns allerdings kurze Zeit später direkt zur nächsten Umleitung, die uns gefühlt wieder zurück nach Harlingen schicken möchte. Ursprünglich hatten wir uns vorgestellt, gemütlich über Land zu fahren und dabei etwas von Land und Leuten zu sehen. Stattdessen lernen wir vor allem niederländische Absperrgitter und Umleitungsschilder kennen.
Irgendwann siegt die Vernunft. Ab auf die Autobahn.

So landen wir relativ zügig in Urk, einem ehemaligen Fischerdorf mit erstaunlich viel Charme. Das kompakte historische Zentrum, der alte Fischereihafen, das Heimatmuseum im ehemaligen Rathaus und vor allem die vielen liebevoll erhaltenen Häuser haben es uns sofort angetan. Hier scheint die Zeit stellenweise ein wenig langsamer zu laufen – eine angenehme Abwechslung nach unserem Kampf gegen die niederländische Verkehrsplanung.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang geht es weiter Richtung Utrecht. Dabei machen wir eine interessante Beobachtung: Die Niederländer wirken auf dem Fahrrad ausgesprochen entspannt und friedlich. Setzt man dieselben Menschen allerdings hinter ein Lenkrad, verwandelt sich ein Teil davon offenbar in Kandidaten für die nächste Ausgabe von „Fast & Furious – Polder Edition“. Besonders auf der Autobahn wird teilweise gefahren, als gäbe es Bonuspunkte für besonders kreative Spurwechsel.

Gegen drei Uhr nachmittags – also pünktlich zur Check-in-Zeit – erreichen wir Utrecht. Und da zeigt sich die Kehrseite eines Hotels mitten im Zentrum einer weltberühmten Velostadt. Während andere Städte auf Autos Rücksicht nehmen, scheint Utrecht eher der Meinung zu sein, dass Autos geduldete Gäste sind und Fahrräder die eigentlichen Herrscher der Strassen. Entsprechend konzentriert muss man unterwegs sein, wenn man nicht plötzlich einen empörten Velofahrer auf der Motorhaube spazieren fahren möchte.
Zum Glück sind wir mittlerweile ein eingespieltes Team: Sie navigiert, er fährt.
Trotzdem drehen wir selbstverständlich noch eine Ehrenrunde. Das fest eingebaute Navi, das wir gerade eben noch für seine hervorragende Autobahnführung gelobt hatten, zeigt auf den letzten Metern wieder sein wahres Talent: Es lotst uns zuverlässig in Einbahnstrassen und an unserem Ziel vorbei. Für Groborientierung ausgezeichnet, für Präzisionsarbeit eher ein Fall für die berufliche Neuorientierung.
Irgendwann schaffen wir es dann aber doch ins Mother Goose Hotel, stellen das Auto ab und stürzen uns direkt in die Stadt.

Utrecht ist die viertgrösste Stadt der Niederlande und entsprechend belebt. Überall Menschen, überall Fahrräder, überall Stimmen. Nach den ruhigen Tagen auf den Inseln ertappen wir uns dabei, wie wir ein kleines bisschen Sehnsucht nach der Stille von Ameland verspüren.
Nichtsdestotrotz gefällt uns Utrecht auf Anhieb. Besonders die Oudegracht mit ihren charakteristischen Uferterrassen lädt zum Flanieren ein. Mal spazieren wir oben entlang, mal unten direkt am Wasser. Unten trifft man vor allem Menschen beim Essen, Trinken und Geniessen – eine Tradition, der wir uns selbstverständlich nicht verschliessen können. Also gönnen wir uns einen wohlverdienten Welkom-Drink und beobachten das geschäftige Treiben.
Den kulinarischen Abschluss des Tages bildet das Abendessen im BlendHouse. Dort wird indische Fusionküche serviert, und die hat uns ausgesprochen überzeugt.

Ein gelungener erster Tag in Utrecht also – auch wenn wir nach wenigen Stunden bereits gelernt haben, dass man hier vor allem eines nie unterschätzen darf: Fahrräder. Sie sind überall. Wirklich überall. 🚲🍻🇳🇱


