Blog 2026

Samstag, 11. Juli 2026

Gestern Abend kamen wir im koreanischen Restaurant mit einem sympathischen Pärchen ins Gespräch. Sie gaben uns einen Tipp für den heutigen Tag: den Wochenmarkt im Stadtteil Jordaan. Nicht nur sei Jordaan einer der schönsten Stadtteile Amsterdams, sondern auch einer mit einer besonders spannenden Geschichte.

Im 17. Jahrhundert lebten hier vor allem Arbeiterfamilien. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt das Viertel als sozialer Brennpunkt und es gab sogar Pläne, grosse Teile davon abzureissen. Doch wie so oft im Leben haben Gebäude und Stadtviertel ihren eigenen Kopf. Jordaan blieb, entwickelte sich weiter und gehört heute zu den begehrtesten und angesagtesten Wohnlagen der Stadt.

Bevor wir uns jedoch ins Marktgetümmel stürzen, steht erst einmal das Frühstück auf dem Programm. Im Moods müssen wir sogar kurz auf einen freien Tisch warten – eine Premiere auf dieser Reise. Das Warten lohnt sich allerdings. Sauerteigbrot, Eier, Burrata, Tomaten und Avocado landen auf dem Tisch. Dazu selbstverständlich ein Cappuccino. Kurz gesagt: So darf ein Urlaubstag gerne beginnen.

Anschliessend geht es hinüber zum Markt.

Und dort ist ordentlich etwas los.

Jordaan

 

Zwischen Fischständen, Käsebergen, Schmuck, Kleidung und allerlei anderem Krimskrams entdecken wir sogar einen Stand, an dem blütenweisse Bettwäsche verkauft wird. Ja, richtig gelesen: Bettwäsche. Mitten auf einem belebten Wochenmarkt. Die Laken sehen aus, als wären sie wenige Minuten zuvor noch durch die Mangel gelaufen. Man lernt nie aus.

Dann folgt ein Moment purer Freude für einen Teil der Reisegesellschaft.

Obwohl wir auf dieser Reise wahrlich nicht unterversorgt waren, entdecken wir einen Stand mit Arancini. Diese sizilianischen Reiskugeln hatten wir vor einiger Zeit einmal in einer Reisedokumentation gesehen. Seitdem wollten wir sie unbedingt probieren – bisher jedoch ohne Erfolg.

Und nun stehen sie plötzlich vor uns. Mitten in Amsterdam.

Natürlich wird sofort eine bestellt. Die Füllung aus Pilzen, Schinken und Mozzarella klingt bereits vielversprechend. Nach dem ersten Bissen steht fest: Der Hype war berechtigt. Sehr sogar.

Keizersgracht

 

Nach unserem Marktbummel spazieren wir erneut durch die Keizersgracht und die Herengracht Richtung Dam. Mittlerweile haben sich auch die Wolken verzogen und die Sonne zeigt sich wieder von ihrer besten Seite. Amsterdam versteht es wirklich, sich in Szene zu setzen.

Besonders schön ist ein solcher Tag natürlich dann, wenn die Reiseleitung für ihre aufopferungsvolle Arbeit auch einmal gewürdigt wird. In Form eines neuen Rucksacks zum Beispiel. Der alte war zwar noch völlig in Ordnung, aber der neue ist etwas kleiner, praktischer und zudem aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Nachhaltigkeit und Reisekomfort in einem Geschenk vereint – was will man mehr?

Herengracht

 

Irgendwann am Nachmittag wird es Zeit, ins Hotel zurückzukehren. Nicht etwa, weil wir genug gesehen hätten, sondern weil nun der eigentliche Höhepunkt dieser Reise bevorsteht.

Wir müssen uns schliesslich noch ein wenig herausputzen.

Denn der wahre Grund, weshalb Amsterdam überhaupt auf unserem Reiseplan gelandet ist, heisst Luke Combs, der mit seiner ‚My Kinda Saturday Night‘-Tour in Amsterdam gastiert.

Also machen wir uns auf den Weg zur Johan Cruijff ArenA, wo bereits von Weitem zu erkennen ist, dass wir nicht die einzigen mit dieser Idee sind. Country-Fans strömen aus allen Richtungen zum Stadion. Für einen Abend scheint Amsterdam mehr Cowboyhüte als Fahrräder zu besitzen – und das will etwas heissen.

Unsere Plätze befinden sich ziemlich weit oben. Sehr weit oben. Sagen wir es so: Hätten wir noch ein paar Reihen höher gesessen, hätten wir vermutlich den Flugverkehr über Schiphol überwachen können.

Die Stimmung ist allerdings von Anfang an grossartig. Auch wenn sich in unserem Umfeld ständig etwas bewegt. Kaum haben sich die Reihen gefüllt, sind die ersten schon wieder unterwegs. Biernachschub. Toilettenpause. Noch einmal Biernachschub. Weitere Toilettenpause. Offenbar folgt auch bei Country-Konzerten alles einem natürlichen Kreislauf.

Eigentlich besitzen wir Sitzplatz-Tickets. Das klingt auf dem Papier sehr gemütlich. In der Praxis hält dieser Plan exakt fünf Lieder lang. Danach springt die gesamte Arena auf und bleibt bis zum Schluss stehen. Wer sitzen bleibt, sieht ungefähr so viel von der Bühne wie ein Maulwurf von einem Feuerwerk.

Luke Combs liefert dabei genau das, was man von ihm erwartet.

Und genau das, was man vielleicht nicht von anderen Stadionkünstlern erwarten würde.

Wer auf gigantische LED-Spektakel, fliegende Bühnen oder artistische Einlagen hofft, ist hier falsch. Luke Combs benötigt all das nicht. Ein paar Bilder auf den Leinwänden, gelegentlich etwas Feuer aus dem Bühnenboden und fertig.

Dafür gibt es etwas anderes:

100 Prozent Country.

Und genau deshalb sind die Leute hier.

Insgesamt spielt er 28 Songs, inklusive ‚Fast Car‘, ‚Where The Wild Things Are‘ und ‚Ain’t No Love In Oklahoma‘ als Zugabe. Jede Zeile wird mitgesungen, jede Ballade gefeiert und jeder schnellere Song verwandelt die Arena augenblicklich in eine riesige Party.

 

Die Stimmung ist vom ersten bis zum letzten Lied fantastisch. Spätestens jetzt wissen wir: Die Reise hat sich gelohnt.

Als wir nach dem Konzert zusammen mit Zehntausenden anderen Besuchern Richtung Bahnhof strömen, ist die Euphorie noch immer spürbar. Müde sind wir zwar auch. Aber glücklich eben genauso.

Und manchmal ist das die beste Kombination, die ein Urlaubstag haben kann. 🤠🎸🇳🇱✨

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