Freitag, 10. Juli 2026
Trotz des strahlenden Sonnenscheins vor dem Fenster ist die Stimmung am Morgen zunächst etwas getrübt. Eigentlich wollten wir heute das Anne-Frank-Haus besuchen. Doch beim Versuch, Tickets zu buchen, erfahren wir, dass man diese idealerweise sechs Wochen im Voraus reservieren sollte.
Sechs Wochen.
Natürlich war klar, dass das Museum beliebt ist. Aber sechs Wochen Vorlaufzeit? Für Menschen wie uns, die Hotels vielleicht einige Wochen im Voraus buchen, ansonsten aber gerne spontan bleiben und unterwegs schauen, was sich ergibt, ist das eine eher ernüchternde Nachricht.
Kurz überlegen wir, ob die Reiseleitung dafür haftbar gemacht werden könnte. Nach eingehender Prüfung des Falls kommen wir jedoch zum Schluss, dass die Schuld leider nicht bei der Reiseleitung liegt, sondern irgendwo zwischen unserer Planung und unserer Naivität zu finden ist.
Also verabschieden wir uns von Anne Frank und suchen nach einer Alternative. Ganz den gleichen historischen und emotionalen Stellenwert hat diese zwar nicht, aber spannend soll sie trotzdem werden.
Zunächst steht jedoch das Frühstück an. Mit der Tram fahren wir zum Frederiksplein und spazieren von dort weiter zum Florentin Brunch. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind angenehm und Amsterdam zeigt sich einmal mehr von seiner besten Seite.
Das Frühstück schmeckt hervorragend. Gut gesättigt und bestens gelaunt schlendern wir anschliessend über den Markt in der Albert Cuypstraat, der direkt neben dem Restaurant stattfindet. Hier herrscht bereits reger Betrieb. Besonders auffällig ist die Schlangen vor Rudi’s Stroopwafels. Offenbar gehört Anstehen hier zum Gesamterlebnis dazu. Leider ist unser Magen nach dem Frühstück bereits ausreichend beschäftigt, sodass wir die berühmten Waffeln schweren Herzens links liegen lassen.

Anschliessend zieht es uns in den Norden der Stadt. Zunächst mit der Metro, dann noch einige Stationen mit dem Bus und schliesslich zu Fuss erreichen wir unser eigentliches Tagesziel: das STRAAT Museum.
Ein Arbeitskollege hatte uns den Besuch empfohlen. Zwar hatten wir mehrfach betont, dass Kunstmuseen normalerweise nicht unbedingt unser bevorzugtes Habitat sind. Allerdings handelt es sich hier um Graffiti und Street Art – und das fühlt sich irgendwie anders an.

Das Museum befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen NDSM-Werft und präsentiert riesige Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt. Die Ausstellung ist beeindruckend und überraschend vielseitig. Wir erfahren viel über die Entwicklung der Street Art und lernen, dass die ersten bekannten Tags bereits Ende der 1960er-Jahre auftauchten.

Zugegeben: Nicht jedes Graffiti ist ein Gewinn für das Stadtbild. Manche sehen eher aus wie ein missglückter Streit zwischen Spraydose und Hauswand. Andere hingegen sind echte Kunstwerke und schlichtweg beeindruckend.

Nach diesem spannenden Besuch geht es mit der Fähre weiter Richtung Houthavens. Das einstige Hafengebiet hat sich zu einem modernen Wohn- und Kreativquartier entwickelt. Auf künstlichen Inseln entstanden hier futuristische Gebäude, nachhaltige Wohnprojekte und viele öffentliche Räume direkt am Wasser.
Besonders erfreulich: Hier darf inzwischen offiziell gebadet werden.

Gesagt, getan.
Während ein Teil der Reisegruppe sofort den direkten Kontakt mit dem Wasser sucht, übernimmt der andere Teil die wichtige Aufgabe der Beobachtung vom sicheren Ufer aus.
Nach diesem erfrischenden Intermezzo fahren wir zurück ins Hotel und schmieden Pläne für den Abend. Das Ziel lautet diesmal: Red Light District. Schliesslich gehört auch das irgendwie zu Amsterdam.
Mitten in diesem berühmten Viertel finden wir das kleine koreanische Restaurant Kim’s So Korean Real Food. Es ist unser erster Ausflug in die koreanische Küche und wir werden positiv überrascht. Alles schmeckt ausgezeichnet. Nur beim Tuna-Sushi stellen wir fest, dass unser kulinarisches Herz diesbezüglich weiterhin eher japanisch schlägt.
Nach dem Essen schlendern wir noch etwas durch die engen Gassen, gönnen uns einen letzten Schlummertrunk und beobachten das bunte Treiben.
Anmerkung der Redaktion: Viele der berühmten Fenster stehen inzwischen leer. Und ansonsten gilt: Wer meint, dort sein Glück zu finden, soll dies gerne tun. Wir beschränken uns lieber auf die Rolle der interessierten Beobachter. 😉
So endet ein weiterer abwechslungsreicher Tag zwischen verpassten Tickets, beeindruckender Street Art, einem Bad im IJ und den wohl bekanntesten Fenstern der Niederlande. 🚲🎨🌇🇳🇱


