Blog 2026

Montag, 6. Juli 2026

Unser erster Weg führt uns am Morgen zu Happy Tosti. Zugegeben: Bereits der Name hatte so gute Chancen, dass wir praktisch keine andere Wahl mehr hatten. Und tatsächlich werden wir nicht enttäuscht. Der Cappuccino schmeckt ausgezeichnet, die Granola-Bowl ebenfalls und das Käsetosti macht seinem Namen alle Ehre. Mit anderen Worten: Die Grundlage für einen erfolgreichen Besichtigungstag ist geschaffen.

Den Haag – Passage

 

Gut gestärkt spazieren wir zunächst durch die hübsche Passage von Den Haag. Sie erinnert uns ein wenig an die berühmte Galerie in Mailand – allerdings in einer etwas kompakteren Ausgabe. Und während man sich in Mailand vermutlich durch Menschenmassen kämpfen müsste, haben wir die Passage fast für uns allein. Das liegt allerdings weniger an unserer besonderen Exklusivität als daran, dass die Geschäfte montags erst um 12 Uhr öffnen. Wer früh aufsteht, hat eben manchmal eine ganze Shoppingpassage für sich alleine.

Het Oude Stadhuis

 

Der nächste Fotostopp ist das Het Oude Stadhuis, das alte Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Von dort geht es weiter zum Gevangenenpoort, dem ehemaligen Stadtgefängnis, das heute als Museum genutzt wird. Das klingt natürlich sofort interessant. Schliesslich bekommt man nicht jeden Tag die Gelegenheit, freiwillig ein Gefängnis zu besuchen.

Leider hat das Museum andere Pläne. Die nächste Führung beginnt erst um 13 Uhr. Das bedeutet: anderthalb Stunden warten oder später noch einmal zurückkommen. Warten fällt kategorisch aus und zurückkommen setzt voraus, dass wir überhaupt wissen, wo wir um 13 Uhr sein werden. Das wissen wir selbstverständlich nicht. Somit bleibt uns die Folterkammer ebenso verborgen wie diverse mittelalterliche Streck- und Quetschwerkzeuge. Wahrscheinlich besser für die Stimmung des Tages.

Den Haag – Plaats

 

Während wir weiter durch die Stadt bummeln, wird es zum ersten Mal auf dieser Reise richtig warm. Sobald der Wind aussetzt, könnte man beinahe von Sommerferien sprechen. Kommt er zurück, erinnert er einen allerdings sofort daran, dass man sich immer noch an der Nordsee befindet. Ein meteorologisches Wechselbad der Gefühle.

Nach einigen Stunden kreuz und quer durch Den Haag melden sich schliesslich die Füsse zu Wort. Einstimmig wird beschlossen, der Tram den Vorzug zu geben und nach Scheveningen zu fahren.

Dort erwartet uns eine Strandpromenade, die mit den beschaulichen Verhältnissen auf Ameland oder Terschelling ungefähr so viel gemeinsam hat wie ein Freizeitpark mit einer Dorfkirche. Hier reiht sich Restaurant an Restaurant, Attraktion an Attraktion. Da gibt es das Riesenrad SkyView de Pier, einen Bungeeturm und allerlei weitere Möglichkeiten, entweder sein Geld oder seinen Mut zu verlieren.

Seebrücke Scheveningen

 

Die berühmte Seebrücke selbst erweist sich hingegen als kleine Enttäuschung. Nicht jeder Star wird seinem Ruf gerecht.

Wir machen daher das Vernünftigste, was man am Meer tun kann: Wir setzen uns in eines der unzähligen Restaurants, bestellen einen Cocktail und schlürfen eine Auster. Forschung am lebenden Objekt, quasi.

Kurhaus

 

Anschliessend spazieren wir zum Kurhaus, wo uns eine legendäre Musikgeschichte über die damals noch weitgehend unbekannten Rolling Stones begegnet. Es war der 8. August 1964 als die Rolling Stones hier auftraten und es schafften, innerhalb weniger Minuten, aus einem ehrwürdigen Kurhaus eine Art kontrollierten Ausnahmezustand zu machen. Stühle flogen, Fans stürmten die Bühne und die Polizei durfte sich unverhofft als Eventmanager betätigen. Das Konzert war nach rund zehn Minuten vorbei. Manche Bands brauchen Jahrzehnte, um legendär zu werden. Die Rolling Stones brauchten in Scheveningen offenbar nur eine Kaffeepause. 😉

Am Abend zieht es uns noch einmal zurück ins Stadtzentrum. Im Luden essen wir zu Abend. Das Essen ist hervorragend und sorgt für einen gelungenen Abschluss des Tages. Die Bedienung ist dabei durchaus freundlich, verfolgt jedoch ein Servicekonzept, das stark auf Eigenständigkeit der Gäste setzt. Man hat nie das Gefühl zu stören – allerdings auch nicht unbedingt das Gefühl, bemerkt zu werden. So bleibt genügend Zeit, sowohl das Essen als auch die eigene Geduld ausgiebig zu geniessen. 😉

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