Blog 2026

Sonntag, 5. Juli 2026

Kurz nach 9 Uhr checken wir im Mother Goose Hotel aus und erleben ein Utrecht, das mit der Stadt vom Vortag nur wenig gemeinsam hat. Wo sich gestern noch Touristen durch die engen Gassen schoben, herrscht heute nahezu gespenstische Ruhe. Die sonst hart umkämpften Fotomotive liegen verlassen vor uns – keine Selfie-Sticks, keine Menschen, die im entscheidenden Moment durchs Bild laufen. Ein seltenes Naturschauspiel, das man als Reisender entsprechend zu würdigen weiss. 😉

Grachtenfahrt

 

Gemütlich schlendern wir zur Oudegracht, wo unsere Grachtenfahrt beginnt. Der frühe Zeitpunkt hat Vorteile: Statt eines überfüllten Ausflugsbootes teilen wir die einstündige Tour lediglich mit einer Familie und ihren zwei Kindern. Unser Gefährt ist kein schwimmender Touristenbus, sondern ein kleiner Kahn mit persönlichem Guide – deutlich charmanter und angenehmer.

Unser Kapitän und Fremdenführer Manuel, seines Zeichens Student, eröffnet die Tour mit dem Hinweis, dass er gestern ein kleines Partybiest gewesen sei. Ehrlicherweise hätte er diese Information gar nicht liefern müssen. Seine Stimme und sein leicht übernächtigter Blick waren durchaus in der Lage, diese Geschichte eigenständig zu erzählen. Doch trotz der offensichtlichen Nachwirkungen führt er uns routiniert durch die Geschichte und Besonderheiten Utrechts.

Utrecht – kleinstes Haus

 

Wir passieren das kleinste Haus der Stadt, bestaunen Hausboote, die teilweise Preise erreichen, für die man andernorts ein stattliches Anwesen erwerben könnte – wobei einige dieser Luxusobjekte den Beweis antreten, dass Geld und Schönheit nicht zwingend zusammengehören. Auch Manuels ehemalige Grundschule liegt auf unserer Route. Auf die Frage, ob er gute Erinnerungen an diese Zeit habe, antwortet er mit einem vielsagenden, verschmitzten Lächeln. Mehr muss offenbar nicht gesagt werden.

An Bord können Getränke bestellt werden. Ob es an der frühen Uhrzeit liegt oder daran, dass die beiden Kinder mit jeder Minute der Fahrt mehr Energie entwickeln als ein kleines Kraftwerk – wir verzichten auf die Nutzung dieses Serviceangebots.

Utrecht – Hausboot

 

Dafür profitieren wir indirekt von den Gästen des nachfolgenden Bootes, das um 11 Uhr starten soll. Dort scheint bereits Frühschoppen-Stimmung zu herrschen. Fast jeder hält ein Glas in der Hand, und wer noch keines besitzt, wird umgehend vom Personal versorgt. Der Nachteil: Unser Boot kann nicht am Anleger festmachen. Also ist Beweglichkeit gefragt. Da der Kanal schmal ist und Manuel nicht beliebig rangieren kann, müssen wir über das andere Boot hinwegklettern, um an Land zu gelangen. Morgendlicher Sport ersetzt schliesslich auch den Hotel-Fitnessraum.

Wieder auf festem Boden angekommen, gönnen wir uns zunächst ein Frühstück. Als der Toast verputzt ist, hat auch Utrecht endgültig ausgeschlafen. Die Stadt füllt sich zusehends mit Einheimischen und Besuchern. Wir bummeln noch ein wenig durch die ausgesprochen hübschen Strassen. Sonntags öffnen die Geschäfte ab 10.30 Uhr, und in der riesigen Einkaufsmall sind bereits zahlreiche Shopping-Enthusiasten unterwegs. Wir begnügen uns jedoch mit interessiertem Schauen statt aktivem Kaufen.

 

Schliesslich heisst es Abschied nehmen. Die Fahrt nach Den Haag dauert über die Autobahn gerade einmal rund eine Stunde. Kaum haben wir dort unser Zimmer bezogen, zieht es uns schon wieder hinaus zur nächsten Sehenswürdigkeit.

Diesmal wartet eine ganz besondere Stadtrundfahrt: eine 65 Jahre alte historische Tram, die an Wochenenden alle 30 Minuten insgesamt 16 Haltestellen anfährt. Offiziell handelt es sich um eine Hop-on-Hop-off-Tour. Da wir aber gerade noch die letzte Runde des Tages erwischen, wird daraus für uns eher eine Hop-on-und-bis-zum-Ende-sitzenbleiben-Tour. Dass diese historische Bahn ausschliesslich am Wochenende unterwegs ist, hatte die Reiseleitung zuvor erfolgreich überlesen. Man kann schliesslich nicht alles wissen.

Den Haag

 

Der kleine Planungsfehler erweist sich jedoch keineswegs als Nachteil. Die gemütliche Fahrt vermittelt uns einen ausgezeichneten Überblick über Den Haag und zeigt uns bereits heute, welche Orte wir morgen genauer erkunden möchten.

Zum Abschluss des Tages verschlägt es uns nach Chinatown. Im Restaurant Istana geniessen wir moderne indonesische Küche und lassen die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren.

Den Haag – Chinatown

 

Ein perfekter Abschluss für einen Tag, der mit menschenleeren Grachten begann und mit hervorragendem Essen endet. Manche Reisetage machen es einem wirklich leicht, sie in guter Erinnerung zu behalten. 😊

⇐ Vortag

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